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Новый Год

Dieses Jahr  verbringe ich Neujahr in Moskau. 2 Tage vor Silvester passten Alina und ich perfekt die Luecke im Wetterchaos ab und reisten in den einzigen beiden Tagen an denen weder Deutschland noch Moskau von Schnee- und Eisregenstuermen heimgesucht wurden. Moskau hatte es zuvor mit Eisregen zu tun gehabt. Dementsprechend sieht alles wie aus einem Wintermaerchen aus. Alles, selbst die kleinsten Aeste an Baeumen sind mit einer dicken Eisschicht ummantelt. Es gibt Baeume, die unter der Schneelast zu Boden gedrueckt wurden und dann von Eisregen in dieser Position wahrscheinlich bis zum Fruehlingsanfang gefesselt wurden.
Den Silvestertag haben wir mit Geschenke suchen verbracht. Denn in Russland verhalten sich Weihnachtsfeiertage etwas anders als in Europa. Dort ist nicht etwa 24.Dezember Heiligabend sondern der 7.Januar. Aber heilig Abend wird anscheinend nicht gross gefeiert. Zumindest was man mir bisher sagte. Die Silvesternacht wird eher in der Art von unserem Heiligabend begangen. Es wird ein Tannenbaeumchen (jolka) besorgt unter dem die Geschenke gelegt werden. Ob mein Fest typisch fuer Russland war, weiss ich nicht, aber es gab Unterschiede. Silvester gilt hier als um-eine-Stunde verkuerzter Feiertag, aber Belegschaften von Supermaerkten und Postaemtern entschieden eigenmaechtig sich frueher frei zu geben. Da standen wir abends eine Stunde vor offiziellem Ladenschluss vor verschlossenen Eingaengen und die letzte Kunden wurden gerade hinausgescheucht.
Steuert bei uns eher eine Festtagsgemeinschaft Mitternacht und dem neuem Jahr entgegen, beginnen hier die Festlichkeiten eher kurz vor Mitternacht. Eine Tafel wird gedeckt, es wird zusammen gegessen. Um 10 vor Mitternacht wird das Glas erhoben und das alte Jahr verabschiedet. Im Hintergrund laeuft wie bei uns der Fernseher in dem jeder Fernsehsender um die Aufmerksamkeit seines Countdowns buhlt. Auf den meisten Kanaelen laufen irgendwelche Konzertzusammenschnitte. Kurz vor Mitternacht kam ein kleines Parodiefilmchen ueber Mjedwedew. Das Filmchen wurde gesponsort von Gazprom. Und direkt anschliessend hielt der parodierte selbst seine Neujahransprache. Allerdings schien sie weniger ausfuehrlich zu sein, als sie unsere Regierung gerne diktiert. Es waren maximal 3 Minuten und konnten eigentlich nur gute Wuensche beinhalten. Irgendwie ganz drollig, denn in letzter Zeit scheint der Russische Praesident in seiner Mimik in Lausbubenlaune zu sein.
Um Mitternacht erhoben wir uns, wuenschten uns ein frohes neues Jahr und fuhren mit dem Essen fort. Ein kollektives Feuerwerk gibt es nicht! Jede Festgemeinschaft geht irgendwann auf die Strasse und brennt ihr Feuerwerk ab. Da in den Wohnbloekchen hunderte Menschen wohnen, gibt es dann dosiertes Feuerwerk die gesamte Nacht hindurch - auch um 4 Uhr morgens, wenn muede Mitteleuropaeer schon lange im Bett liegen. Wenn man nicht in Bettstimmung sondern in Partylaune ist, kann man sich zu fortgeschrittener Stunde auch ettlichen umherziehenden Partygemeinschaften anschliessen oder die Clubs in der Stadt aufsuchen, wo die Feiern dann erst richtig loszugehen scheinen. Zu meinem Glueck waren wir nicht in allzu grosser Partylaune, da der Schlaf in den vorherigen Naechten zu kurz gekommen war. Nach Bescherung und Neujahrspaziergang gingen wir schlafen.

Neujahr ist bisher sehr gemuetlich. Jeder liest und schleicht ab und an in die Kueche um sich an uebrig gebliebenen Leckereien guetlich zu tun. Und im Fernseher laufen die alten suessen Ostblockmaerchen, die auch bei uns zu dieser Zeit rauf und runter laufen. Allerdings sehen die hiesigen Geschichten viel interessanter aus. Auch, weil man die Maerchen noch nicht kennt im Gegensatz zu Aschenbroedel, Drosselbart & Co. Ein Jammer, dass ich immer noch kaum etwas verstehe.

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